Zum Hauptinhalt springen

Diabetes verstehen

In den folgenden Abschnitten findest du klare und verlässliche Informationen, um zu verstehen, was Diabetes ist, wie man ihn erkennt und - soweit möglich - wie man ihm vorbeugt. Denn Wissen ist der erste Schritt, um auf sich selbst oder auf nahestehende Menschen zu achten.

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung: Sie verschwindet nicht von selbst. Mit einer geeigneten Therapie und einem passenden Lebensstil lassen sich die Symptome behandeln und die Folgen begrenzen.

Diabetes entsteht, wenn der Körper Glukose - also jene besondere Form von Zucker, die unseren Zellen als Energiequelle dient - nicht richtig verwerten kann. Das geschieht, weil Insulin - das Hormon, das den Transport von Glukose aus dem Blut in die Zellen reguliert - nicht mehr produziert wird, nicht richtig wirkt oder in zu geringer Menge vorhanden ist.

Wird Glukose nicht aufgenommen, sammelt sie sich im Blut an. Überschreitet sie einen bestimmten Grenzwert, spricht man von Hyperglykämie. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, kann er mittel- und langfristig schwerwiegende Folgen haben und beispielsweise Herz, Nieren, Augen und Nerven schädigen.

Die gegenteilige Situation, die Hypoglykämie, tritt auf, wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist. In diesen Fällen sind die Folgen unmittelbar: Wird nicht rechtzeitig durch die Aufnahme von Zucker gegengesteuert, kann es zu Ohnmacht, Krampfanfällen und einem hypoglykämischen Koma kommen.

Glücklicherweise ermöglichen eine frühzeitige Diagnose, ein ausgewogener Lebensstil und geeignete Therapien auch Menschen mit Diabetes ein erfülltes und aktives Leben.

Einige Zahlen

Nach Angaben der International Diabetes Federation leben weltweit heute über 580 Millionen Menschen mit Diabetes - etwa eine von 14 Personen. Prognosen zufolge wird diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich ansteigen. In Italien geht man von rund 4 Millionen diagnostizierten Fällen aus.

Doch es gibt noch eine weitere wichtige Zahl: die der Menschen, die Diabetes haben, ohne es zu wissen. Allein in Italien betrifft das schätzungsweise mindestens eineinhalb Millionen Menschen. Mit anderen Worten: Auf drei Menschen, die wissen, dass sie an Diabetes erkrankt sind, kommt mindestens eine Person, die nichts davon weiß. Das ist ein alarmierender Wert, denn ohne Diagnose kann Diabetes nicht richtig behandelt werden - und mögliche Folgen bleiben unkontrolliert.

Typen von Diabetes

Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung: Er kann weder verhindert noch geheilt werden und ist in manchen Fällen auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen.
In etwa 90 % der Fälle entwickelt er sich im Kindes- oder Jugendalter, wenn die Bauchspeicheldrüse kein oder zu wenig Insulin produziert.
Infolgedessen wird Glukose nicht korrekt von den Zellen aufgenommen und sammelt sich im Blut an. Um dem entgegenzuwirken, müssen Menschen mit Diabetes Typ 1 Insulin zuführen.

Diabetes Typ 2

Diabetes Typ 2 betrifft vor allem Erwachsene und ältere Menschen. In den letzten Jahren ist jedoch auch die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen gestiegen - vor allem aufgrund von Übergewicht und Bewegungsmangel. Bei Diabetes Typ 2 reagiert der Körper nicht mehr ausreichend auf Insulin, sodass sich Glukose im Blut anreichert.
Die Ursachen sind vielfältig und wirken oft zusammen: genetische Veranlagung, unausgewogene Ernährung und zu wenig Bewegung. In den meisten Fällen werden Medikamente eingesetzt, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Manchmal ist auch eine Insulintherapie notwendig.
Der Lebensstil spielt eine zentrale Rolle: regelmäßige Blutzuckerkontrollen, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und - wenn nötig - die Reduktion des Körperfettanteils sind entscheidend und können in manchen Fällen sogar Medikamente vermeiden helfen.

Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes weist ähnliche Merkmale wie Diabetes Typ 2 auf und tritt bei Frauen während der Schwangerschaft auf, bei denen zuvor kein Diabetes festgestellt wurde.
Hauptursache sind hormonelle Veränderungen, hinzu kommen Risikofaktoren wie Übergewicht oder ein höheres Alter der Mutter (über 35 Jahre). In der Regel verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt, kann jedoch das Risiko erhöhen, später an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

LADA

LADA ist eine besondere (und seltene) Form von Diabetes Typ 1. Die Abkürzung steht für Latent Autoimmune Diabetes in Adults.
Obwohl es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, tritt LADA im Erwachsenenalter auf und wird daher häufig mit Diabetes Typ 2 verwechselt. Aus diesem Grund wird er manchmal auch als "Diabetes 1.5" bezeichnet.

Prädiabetes

Prädiabetes bezeichnet einen Zustand, bei dem die Blutzuckerwerte höher als normal sind, aber noch nicht ausreichen, um Diabetes zu diagnostizieren. Auch wenn es sich noch nicht um eine Erkrankung handelt, sollte dieser Zustand nicht unterschätzt werden: Er verläuft meist ohne Symptome, erhöht aber das Risiko für Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht helfen, die Blutzuckerwerte zu verbessern.

Symptome und Prävention

Früherkennung von Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 entwickelt sich meist im Kindes- oder Jugendalter und kann anfangs ohne klare Symptome verlaufen. Typische Anzeichen sind:

  • häufiges Wasserlassen;
  • starker Durst und starkes Hungergefühl;
  • Dehydrierung;
  • Müdigkeit und Schläfrigkeit;
  • Gewichtsverlust.

Die diabetische Ketoazidose ist eine akute Komplikation, die auftreten kann, wenn dem Körper zu wenig Insulin zur Verfügung steht. In diesem Fall beginnt der Körper, Fett statt Zucker zu verwerten, wodurch Ketone entstehen, die das Blut übersäuern. Typische Symptome sind starker Durst, schnelle Atmung, Übelkeit, Müdigkeit und ein fruchtiger Atemgeruch. Diese Situation erfordert sofortige medizinische Hilfe. Wird nicht rechtzeitig gehandelt, kann es zu schweren Komplikationen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Koma kommen.

Wie lässt sich Diabetes Typ 2 vorbeugen?

Diabetes Typ 2 kann sich in jedem Lebensalter entwickeln - oft ohne erkennbare Symptome. Daher ist es wichtig, die Risikofaktoren zu kennen und möglichst zu reduzieren:

  • Stress;
  • Alter;
  • Schlafmangel;
  • Bewegungsmangel;
  • Übergewicht;
  • hoher Alkoholkonsum;
  • Bluthochdruck;
  • unausgewogene Ernährung;
  • Rauchen.

Die Symptome ähneln jenen von Diabetes Typ 1, treten jedoch oft sehr langsam auf oder bleiben lange unbemerkt.

Risikofaktoren durch einfache Alltagsgewohnheiten begegnen

Achtung vor verstecktem Zucker. Zucker kann sich auch dort verbergen, wo man ihn nicht erwartet. Deshalb ist es wichtig, sich über die Lebensmittel, die man konsumiert, zu informieren und - wenn möglich - die Nährwertkennzeichnung zu lesen. Beispiele dafür sind Sushi oder Soßen, die Zucker enthalten können, auch wenn man es oft nicht vermutet. Vorsicht ist auch bei Getränken geboten - mit und ohne Kohlensäure.

Bewegung, Bewegung, Bewegung. Ein Körper in Bewegung ist einer der wichtigsten Verbündeten für das Wohlbefinden. Je mehr wir uns bewegen, desto besser - ohne dass es dabei um sportliche Höchstleistungen gehen muss. Jede Form von Bewegung ist hilfreich: Treppen steigen, beim Telefonieren gehen, Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Radfahren oder auch Krafttraining. Jeder Schritt zählt - im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung. Besonders empfehlenswert ist eine pflanzenreiche Ernährung, da ein hoher Ballaststoffgehalt den Zuckerstoffwechsel verbessert. Ebenso wichtig ist es, ausreichend zu trinken: Empfohlen werden mindestens eineinhalb Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag. Außerdem sollte der Konsum von Zucker und Fett reduziert und Alkohol nur in Ausnahmefällen konsumiert werden. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle alkoholischen Getränke gleich wirken: Wein und hochprozentige Spirituosen enthalten wenig Zucker und können den Blutzuckerspiegel senken, während Bier, süße Weine und Cocktails Zucker enthalten, der ihn rasch ansteigen lässt. Auf dem Teller empfiehlt es sich dagegen, Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Fisch zu bevorzugen.

Das Körpergewicht reduzieren, wenn nötig. Besonders wichtig ist dabei der Bauchumfang. Fett, das sich um die inneren Organe ansammelt, ist besonders gefährlich. Die sogenannte Fettleber spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Diabetes Typ 2, da sie die Insulinresistenz verstärkt. Da jeder Mensch unterschiedlich ist, empfiehlt es sich, gemeinsam mit einer diabetologischen oder ernährungsmedizinischen Fachperson zu klären, was im eigenen Fall sinnvoll ist.

Achtung vor Fett und verstecktem Zucker. Fette sollten nicht verteufelt werden: Sie spielen in vielen physiologischen Prozessen eine zentrale Rolle. Problematisch wird es, wenn sie in zu großer Menge konsumiert werden - oft zusammen mit Zucker und über besonders kalorienreiche Lebensmittel. Ihr Energiegehalt ist etwa doppelt so hoch wie jener von Kohlenhydraten und Eiweißen, und eine fett- und zuckerreiche Ernährung kann leicht zu einer überhöhten Kalorienzufuhr und zu Gewichtszunahme führen. Süßigkeiten, fettreiches Fleisch und fettreiche Käsesorten sollten deshalb nicht täglich auf dem Speiseplan stehen. Generell sind fettärmere Varianten empfehlenswert - am besten mit Unterstützung einer qualifizierten Ernährungsfachkraft.

Mit dem Rauchen aufhören. Der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören, war nach der ersten Zigarette. Der zweitbeste ist jetzt. Raucherinnen und Raucher haben ein höheres Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken - neben vielen weiteren Erkrankungen. Die schädlichen Substanzen in Zigaretten können die Bauchspeicheldrüse schädigen und die Insulinwirkung vermindern.

Schlafen ist keine Faulheit, sondern Prävention. Weniger als 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht wirken sich negativ auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinverteilung aus. Auch ausreichender Schlaf ist daher ein wichtiger Baustein, um Menschen mit Diabetes dabei zu helfen, ihre Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu halten.